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Geschichte


Archaeologische Funde aus der Bronzezeit - nahe Bölkendorf geborgen - weisen darauf hin, dass die Uferregion am Parsteiner See ein sehr früh erschlossenes Siedlungsgebiet war. Mit der Bergung eines trepanierten Schädels von 1940 v. d. Z. gibt es Hinweise, dass bereits zu dieser Zeit einfache Operationen ausgeführt wurden.
Die Lage des Ortes, umgeben von vielen Gewässern, lässt vermuten, dass
sich die Siedlung Bölkendorf einst auf einer Insel befand. Eine Talsenke, die
der Apfelsee, Schulzensee, der Tiefe See, die Dickspüle, die Zehnspüle, der
Rohrspül, der Krumme See und der Dammsee bilden, war vermutlich bei dem
um ein Vielfaches höheren Wasserstand ein geschlossenes Gewässer, an
deren Ufer dieser Wohnplatz lag. Viele Muscheln und Schnecken, die man auf
den umliegenden Landflächen findet, unterstützen diese Annahme.
Von deutschen Kolonisten im 13. Jh. gegründet, wurde das Dorf 1346 erstmals in einer Urkunde als "Boldekendorp" erwähnt. In dieser Zeit hatte Bölkendorf mehrere Besitzer. Dem Kloster Chorin gehörte durch Schenkungen des Markgrafen Ludwig der größte Teil der Gemarkung. Kleinere Anteile besaßen die von Ahlim, von Oderberg, Wallmow, Steger und Stöbe (Stöve).
Der Bau der Kirche soll 1354 vom Erbauer Wiedemann vollendet worden sein - 1878 im Kaiserstiel gefundene Inschriften weisen darauf hin.
Choriner Mönche erwarben nach und nach alle Besitzungen und so gehörte 1442 der gesamte Ort dem Kloster Chorin. Kurfürst Friedrich I. verordnete bereits 1419, dass die Mönche des Klosters die Messe zu lesen und das junge Volk zu unterweisen (unterrichten) hätten.
Im Jahre 1446 wurde Hans von Buch Landvogt über die Dörfer Crühsow, Stolzenhagen, Kamekendörp, Böldekendörp, Barysdin. Bölkendorf war 1449 Kirchdorf!
1571 gab es ein Lehnschulzengut in Bölkendorf mit 4 freien Hufen und 2 Pachthufen, 2 freie Kossätenhöfe außerhalb des Dorfes, eine Fischerei.
Zum Anfang des Dreißigjährigen Krieges blieb Bölkendorf zunächst verschont - im Ort lebten 1624 der Dorfschulze, 8 Kossäten und 12 Bauern. 1637 war ein besonders schweres Kriegsjahr: Der Ort wurde von den Kaiserlichen und Schweden geplündert und in Brand gesetzt. Die wenigen Überlebenden flohen auf die Insel "Woning" im Parsteinsee.
5 Jahre wütete die Pest. Wie aus einem Bericht des staatlichen Archivs Stettin vom 21. Mai 1638 hervorgeht, waren in diesem Frühjahr die Not und das Elend am größten:
Von einem Besuch in "Bulkadorf" (Bölkendorf) berichtete Friedrich Erhard Kitzing, Hofkammer Präsident, dass die Leute ungewöhnliche Speisen und Dinge verzehrten, Hunde, Katzen, Aß aus den Gassen. Für den "greulichen" Hunger würden die Menschen einander sich anfallen, kochen und verzehren.
Nach dem Krieg (1653) lebten nur noch der Dorfschulze, 1 Hüfner, 2 Kossäten und 10 holländische Neusiedler.
Mit Schenkungsurkunde des Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm I., vom 1. August 1675 wurde das Lehngut in Bölkendorf Eigentum des Rittmeisters Jürgen Schmiedeke:
"Unserm getreuen Rittmeister Jürgen Schmiedeke wollen wir seine vielen Verdienste zu würdigen
nicht unterlassen und schenken ihm das im Orte Boelkendorf neu erbaute Lehngut als erb- und
eigentümlich mit allen Gerechtsamen, so ihm solche von dem Amte Chorin übergeben werden sol-
len und wollen das von unsern Nachkommen respektiert wissen.
Gegeben zu Cölln am 1. August 1675 Friedrich Wilhelm"
Die wirtschaftliche Lage besserte sich Anfang des 18. Jahrhunderts.
Die Einwohnerzahl stieg wieder. Bölkendorf hatte im Jahr 1743 170 und 1840 bereits 228 Bewohner.
1810 verursachte ein Brand großen Schaden - die ganze Südseite des Dorfes wurde zerstört.
Lehrer Bahn, ausgebildet auf dem Königlichen Schullehrer - Seminar in Potsdam, erhielt 1847 die Küster- und Lehrerstelle in Bölkendorf, die er bis zu seinem Tode am 16.12.1873 ausübte.
Nach der Aufteilung des Gemeindeeigentums (Allmende) im Jahr 1848 gab es in Bölkendorf:
ein Lehngut, 10 Bauernwirtschaften: Michael Cornelius (danach Gustav Eichstädt), Pätsch, Wilke, Wilhelm Eichstädt III (danach Otto Miers), Christian Eichstädt, Martin Miers (danach E. Pätsch), Kremzow, Metscher, Wilhelm Eichstädt II (danach Georg Eichstädt), Starke (danach Reinecke), eine Krugwirtschaft - W. Mundins,
6 Kossätenhöfe - Dahms, Wilhelm Miers, Schwendicke, Christian Metscher, Kahlow, Hann, eine Schmiede, eine Wind-mühle mit Müller, 8 Büttner - Gustav Mundins, Grunewald, Miers (danach Appetz), Wilhelm Behrend, Düner, Aue, August Kielblock, Hindrich, ein Weber, ein Hirtengrundstück. ein Schäfergrundstück, eine Pfarrstelle und 184 Morgen Pfarrland. Bölkendorf hatte 1860 33 Wohn- und 67 Wirtschaftsgebäude; Parsteinwerder war selbständiger Gutsbezirk.
Auf dem Dammfelde bei Bölkendorf wurden 1874 bemerkenswerte Funde gemacht - verschiedene schwedische Hufeisen, die das königlich - schwedische Wappen trugen, auch mehrere Schnallen und Zaumzeuge von Pferden. Sie sind heute im Märkischen Museum in Berlin zu sehen!

13.07.1874 gründete sich der Männerchor "Die Liedertafel",
der bis zum 2. Weltkrieg bestand:
Im Angermünder Tageblatt von 1940 dazu auszugsweise: " .. Nach einer Wande-
rung von Chorin über Brodowin - Pehlitz- Parstein trafen die liederfrohen Gäste
nachmittags hier (in Bölkendorf) ein, wo sie der hiesige befreundete MGB "Lieder-
tafel" durch seinen Vereinsführer Wilhelm Miers auf das herzlichste willkommen
hieß. .. Während dieser Darbietung nahm auch der Bürgermeister E. Branding
Veranlassung, die Sänger zu begrüßen und ihnen Worte zur Weiterarbeit in der
Pflege des Männergesangsvereins zuzurufen. …"

 

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